Reisen und Abschiede

Hallo ihr Lieben,

nun bin ich schon 4 Wochen wieder in Deutschland und bin immer noch nicht dazu gekommen, euch von meiner Reise zu berichten. Obwohl die Zeit in Deutschland auch schon ziemlich stressig. Schön, aber eben stressig. Ich würde sagen, der deutsche Alltag hat mich definitiv zurück.

Wo beginne ich am Besten? Vielleicht bei meinem Abschiedsessen von Savonlinna Works Oy. Wir haben uns in ein lokales Restaurant namens Majakka gesetzt. Dort wird sehr regionales Essen serviert und was soll ich sagen? Es ist wirklich lecker dort! Was genau ich hatte, kann ich euch gar nicht mehr sagen. Aber ich denke, dass es auch nicht so wichtig ist, oder? Ich kann mich jedenfalls sehr gut an die Atmosphäre dort erinnern. Sie war sehr entspannt und offen. Und in Anbetracht de Tatsache, dass ich dort mit dem CEO, dessen Assistenz und dem Sourcing Manager gewesen bin. Und alle per du angesprochen habe. Etwas, was ich in Deutschland unglaublich vermisse! Dieses ewige Sie ist doch auf Dauer wirklich anstrengend.

Am nächsten Tag ging meine Reise nach Helsinki los. Ich hatte bereits alles gepackt, Kartons und Koffer vorausgeschickt und war nun mit einem Wanderrucksack unterwegs. Sollte für 2 Wochen ja locker reichen.  Einer Erkenntnis kann ich an dieser Stelle direkt vorweg nehmen. Es hat locker gereicht. Ich hatte nicht mal die Hälfte meiner Klamotten an. Dadurch, dass ich zwischendurch überall waschen konnte, war das nie ein Problem.
Meine Reise nach Helsinki kam mir mittlerweile doch schon sehr bekannt vor. Zumindest die Strecke dorthin. Also habe ich einfach die Augen geschlossen und mich durchrütteln lassen, bis wir schließlich angekommen sind. Den Weg ins Hostel kannte ich mittlerweile auch auswendig, sodass es dort keinerlei Probleme gab. Zumindest für mich als Fußgänger nicht. Ich hatte mir das Wochenende vor dem hohen Besuch – Trump & Putin wurden erwartet – ausgesucht und stellte fest, dass viele Busse nicht si fuhren, wie sie es sollten. Sogar manche Fußgängerwege waren gesperrt. Wie man so viel Aufhebens wegen seiner Person machen kann, ist mir nicht verständlich. Wohl aber, dass die beiden nicht sonderlich beliebt sind. Naja. Ich kam jedenfalls ohne Probleme im Hostel an. Dort habe ich als allererstes meine Freundin Lea überrascht, die schon einen Tag zuvor angekommen war und genüsslich vor sich hin schlief. Nach meiner Ankunft war das jedenfalls vorbei. Wir haben uns riesig gefreut einander zu sehen und sofort Pläne geschmiedet, was wir alles machen wollten.  Und so verbrachten wir den Abend in einem nahegelegenen Park und quatschten bis tief in die Nacht und die Mücken meine Füße zerstochen hatten. Zum ersten Mal merkte ich, wie gut es tat, mit jemandem persönlich zu sprechen, den man schon Jahre kannte. Und festzustellen, dass sich nichts geändert hatte.
Die Nacht verging mit viel Gelächter und wenig Schlaf und so brach der Sonntag an und wir fuhren mit der Fähre auf Soumenlinna. Eine Insel vor Helsinki. Auch diese wurde ausgiebig erkundet und mit einem Picknick im Park und am Meer gekrönt. Da am nächsten Tag die Reise nach Rovaniemi anstand, fuhren wir nicht allzu spät zurück und schliefen bis in die frühen Morgenstunden und bis unsere Wecker klingelten.  Und so saßen wir in aller Frühe im Zug nach Rovaniemi, wo wir nach 12 Stunden auch endlich ankamen.

Am Bahnhof wurden wir von unserer Vermieterin, wir hatten über Airbnb gebucht, abgeholt und sie zeigte und die wichtigsten Orte für uns. Danach gab es eine kurze Einweisung in die Wohnung und schließlich waren wir allein. Das Apartment war wunderbar. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad und Balkon. Alles war mit viel Liebe eingerichtet und passt perfekt zueinander. Man hat sich direkt wohlgefühlt. Was nicht zuletzt an der Vermieterin lag. Nach unserer Ankunft erholten wir uns von der Zugfahrt und überlegten, was wir die nächsten Tage machen wollten.

Am nächsten Morgen machten wir uns los und erkundeten die Stadt. Rovaniemi selber hatten wir uns anders vorgestellt. Älter, nicht so „modern“. Dafür fand ich hier, was mir sonst noch nirgends aufgefallen war: Souvenirshops! Überall wurden die kleinen Mitbringsel angeboten. Und so blieben wir stehen und erstanden das ein oder andere Kleinteil für unsere Lieben daheim.  Danach schlenderten wir weiter bis unsere Mägen in den Kniekehlen hingen und vorwurfsvoll knurrten. Und so kehrten wir in einem kleinen Restaurant ein, aßen gemütlich, kauften Wein und verzogen uns an den Strand von Rovamiemi. Denn ob man es glaubt oder nicht, selbst im Polarkreis waren es über 30°C!

Am Strand breiteten wir unsere Laken aus und sprangen Minuten später in den Fluss, der sich durch Rovaniemi schlängert. Zufällig direkt unter der Candle Bridge lang, wie wir feststellten. Angeblich sollte das Wasser kühler sein als der See, der sich hinter meiner Wohnung in Savonlinna befand. Dem war allerdings nicht so und wir blieben drin, bis wir völlig aufgeweicht waren und unsere Hände schon begonnen, Schwimmhäute zu entwickeln. Nach einem ausgiebigen Sonnenbad machten wir uns auf den Heimweg und genossen den Wein auf dem Balkon. Durch die Tatsache, dass es um diese Jahreszeit nicht dunkel wurden, saßen wir bis halb 4 draußen und sangen Hakuna Matata. Einfach herrlich.

Der nächste Tag kam und wir stiegen in den Bus Richtung Weihnachtsmann. Wenn wir schon mal in der Nähe waren, wollten wir natürlich auch wissen, wie es im Weihnachtsmanndorf so aussah. Dort angekommen, wartete bereits die erste Überraschung auf uns. Überall Deutsche! Ich hatte mit Asiaten gerechnet, aber die waren nahezu schwindeng gering gegen die Menge an deutschstämmigen Touristen, die wir gehört haben.  Also sind wir zielstrebig zum Gatter gegangen und haben Rentiere gestreichelt! Könnt ihr euch vorstellen, wie weich das Fell von diesen Tieren ist? Und ein Junges war auch dabei, 8 Monate alt. Sooooo knuffig *_* und das Fell war noch weicher und flauschiger als man sich das eigentlich vorstellen kann. Wie ein Kuscheltier!
Ansonsten haben wir und dort noch ein wenig umgesehen, die viele Shops nach Souvenirs durchstöbert und sind am Nachmittag wieder zurück gefahren um uns an den Strand zu legen. Ihr glaubt mir nicht, wie heiß es dort war. Ich hatte ehrlich gesagt nur bis 25°C gerechnet und nicht 34°C! Aber was soll’s. Auch an diesem Abend haben wir uns auf den Balkon gesetzt, Wein getrunken und über Dieses und Jenes gesprochen, über Unendlichkeit philosophiert und völlig vergessen, dass es nicht dunkel wird.

Am nächsten morgen ging es weiter nach Tornio / Harparanda. Dort hatten wir erstmal ganz schön Probleme zu unserer Unterkunft zu finden. Wir hatten die falsche Handynummer bekommen und konnten so niemanden erreichen. Zum Glück hat es dann, Stunden später, doch noch geklappt und wir sind endlich angekommen. Hundemüde und schlapp. Dennoch sind wir am Abend noch einkaufen gefahren und haben uns die Gegend angeguckt. Ihr müsst wissen, Harparanda ist in Schweden, während Tornio noch in Finnland ist. Und somit unterschieden sich auch die Währungssysteme sowie die Zeit. Daran hatten wir im ersten Moment gar nicht gedacht. Erst als wir im Supermarkt gestanden und uns über den Preis der Tomaten gewundert haben, ist uns eingefallen, dass sie in Schweden immer noch mit Kronen bezahlen. Als wir wieder zurück waren, haben wir uns in den herrlichen Garten gesetzt und Pläne geschmiedet und gegessen.
Am nächsten Morgen sind wir zu einem ActivityPark aufgebrochen und sind an Wänden hochgeklettert, Trampolin gesprungen, haben versucht Skateboard zu fahren und sind auf Snowboards einen Mini-Hügel hinunter gefahren. Ja, zumindest haben wir es versucht. Einige Male sind wir auf dem Hintern gelandet und Lea hat es sogar geschafft, sich dabei die Schulter auszukugeln. Glücklicherweise ist das finnische Gesundheitssystem hervorragend, sodass es lediglich kleinere Probleme in der Verständigung gab. Ansonsten wurde uns alles mit viel Geduld, Ruhe und Gelassenheit erklärt. Kein bisschen Stress oder Gehetze. Wir blieben bis nachts im Krankenhaus, wo die Krankenschwester mit mir sogar noch die Schuhe von Lea gesucht hat! Alles in allem also wirklich gut! Jedenfalls das Krankenhaus, die ausgekugelte Schulter weniger.
Zurück daheim haben wir nur noch gegessen und sind ins Bett gefallen. Gar nicht so einfach mit einer Schulterbandage, habe ich mir sagen lassen.
Der nächste Tag verlief entsprechend ruhig und entspannt. Wir haben gepackt, alles an Essen verputzt oder mitgenommen und wieder aufgeräumt. Und dann sind wir zuletzt doch noch ins Hetzen gekommen, weil wir mit den Zeiten durcheinander gekommen sind! Unser Zug fuhr nach finnischer Zeit! Das hatten wir völlig vergessen und so sind wir nur dank der Freundin der Hausbesitzer pünktlich am Bahnhof angekommen.
Im Zug haben sich dann auch Leas und meine Wege getrennt. Sie ist die Nacht noch nach Helsinki durchgefahren während ich schon in Oulu ausgestiegen bin. Die nächsten beiden Tage verbrachte ich hauptsächlich innerhalb des Hauses, in dem ich gewohnt habe. Es hat in Strömen geregnet. In einer Regenpause habe ich es aber tatsächlich geschafft, mir kurz die Stadt anzugucken und Eindrücke zu sammeln. Und wenn es nicht grade regnet, kann die Stadt wirklich schön sein.
Auch hier waren die Wohnungsbesitzer sehr freundlich und haben mir viel geholfen. Eine Sache wollte ich unbedingt machen und habe es dann doch nicht geschafft. Es gibt in Oulu eine schwimmende Sauna! Ich wollte unbedingt hin und am Ende hab ich es doch nicht gemacht. Das ärgert mich immer noch, aber gut. Jetzt kann ich es schlecht ändern. Aber zumindest weiß ich, dass es eine Therme gibt, die das auch in meiner Nähe anbietet. Dann muss ich eben da hin fahren.

Nach 2 Tagen Oulu und viel Regen ging es weiter nach Tampere. Dort habe ich Juana wiedergetroffen, die ich bereits aus Savonlinna kannte und mal eine Austauschschülerin war, um die ich mich gekümmert habe.

Gemeinsam haben wir die Stadt auf den Kopf gestellt, sind durch die Hitze gelaufen und, wie kann es mit Juana auch anders laufen, in einem Shoppingcenter gelandet. Ja. Eigentlich wollte ich nichts kaufen. Ich brauche nichts und Platz hatte ich im Koffer auch nicht mehr. Naja. Es hat nicht so wirklich geklappt. Ich bin am Ende doch mit einigen neuen Teilen aus dem Center gekommen. Auf das Eis danach wollten wir aber beide nicht verzichten und so haben wir unseren Tag beendet. Der nächste Tag kam und wir sind wieder losgezogen. Dieses Mal aber zum Glück in keinem Shoppingcenter gelandet! Stattdessen im Park und am Hafen, am Vergnügungspark vorbei und so ziemlich überall, wohin uns unsere Füße getragen haben. Leider war die Innenstadt nicht besonders schön, da zu der Zeit grade eine riesige Baustelle ihren Staub verbreitet hat. Der Abend gehörte dann dem Wasser und dem Fotos machen. Sogar ein Outdoor-Fitnessstudio haben wir gefunden. Die machen echt Spaß! Blick auf Wasser und Park, frische Luft und relativ einfache Übungen. Ich glaube, da wäre sogar ich mal hingegangen.

Aber auch die Zeit in Tampere war irgendwann zu Ende und so sind wir in den Zug nach Savonlinna gestiegen. Und, glaubt es mir oder nicht, für mich war es wie endlich wieder nach Hause kommen! Ich hab mich so gefreut, überall Wasser zu haben, keine Baustellen, keine lauten Autos, den Wald direkt hinter dem Balkon und überall Grün. Da hab ich doch so richtig gemerkt, dass ich ein Dorfkind bin. Ohne gehe ich ein, wie eine Blume ohne Sonne. Am selben Abend, an dem wir angekommen sind, sind wir in den See im Wald gesprungen und haben ewig im Wasser verbracht. Ich wollte gar nicht wieder raus. Geschweige denn. Savonlinna wieder verlassen. Der Gedanke an einen Abschied hat mein Herz schwer in meiner Brust schlagen lassen und ich habe alles, was ich sah, inhaliert und in mich aufgesaugt wie ein Schwamm. Noch immer sehe ich die Bilder vor mir und sehne mich an diesen Ort zurück.
Als der nächste Tag anbrach, haben wir etwas ganz besonderes gemacht. Jenna und ich hatten uns dazu entschieden, uns ein Tattoo stechen zu lassen und das würden wir heute machen lassen. Noch auf dem Weg zum dorthin habe ich mein eigentliches Motiv verworfen und mich für ein anderes entschieden. Eines, welches schon seit 2 Jahren auf meinem Schreibtisch lag.

Anschließend haben wir dann zusammen mit Jenna Vorbereitungen für ihren Geburtstag getroffen und am Abend und die Nacht hindurch gefeiert.
Am Sonntag stand dann noch das Stadtfest auf unserem Plan. Und so sind wir durch die Stadt geschlendert, an verschiedenen Ständen stehengeblieben, gegessen, das Feuerwerk beobachtet und ich habe meine Abschiedsrunde durch die Stadt gedreht. Zum Schloss, durch den Park und wieder zurück zur Wohnung. Sogar zum See musste ich nochmal und saß dort und habe der Sonne beim aufgehen zugesehen, die Fischerboote beobachtet und darauf gewartet, wie der Tag anbricht. Als es dann allmählich hell wurde, bin ich zurück zur Wohnung und hab nur noch geschlafen.

Der Montag kam und es war mein Abschiedstag. Zum Glück hatten wir alles schon gepackt und mussten quasi nur noch aus dem Bett fallen.
Und ich mich von meinen Mitbewohnern verabschieden. Nach 6 Monaten, in denen sie immer da waren und mir so geholfen hatten, mich einzufinden, war es schwer, einfach zu gehen. Und so standen wir Ewigkeiten rum, haben uns umarmt, ich habe mit den Tränen gekämpft und letztendlich dann doch verloren und das war völlig in Ordnung. Ich werde die beiden bzw drei mit Sicherheit nicht vergessen und bin dankbar für die schöne Zeit, die wir miteinander hatten.

 

Generell bin ich sehr dankbar für all diese Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte. Für die Menschen, die ich getroffen habe und kennenlernen durfte. Die Zeit hat mir geholfen, zu finden, was ich gesucht habe und mich nun daran zu erinnern, dass ich es nicht wieder verliere. Ohne diese Menschen, ohne Anne-Mari, Jenna, Liisa und Sanna wäre das alles nicht möglich gewesen und ich bin ihnen unendlich dankbar für alles, was sie für mich gemacht haben. Und wenn es Mämmi war, was sie mir gezeigt haben. Danke für die schöne Zeit! Irgendwann komme ich wieder. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich dann wieder fahre.

Für all jene, die überlegen ins Ausland zu gehen: Tut es! Ihr lernt so viel über euch selber, lernt Grenzen zu überschreiten und macht so viel schöne Erfahrungen! Es lohnt sich! Bleibt offen, für die neue Kultur und ihr werdet sehen, es gibt vieles, was es zu erleben gibt. Wagt es und wachst über euch hinaus!

Damit endet dieser Blog hier. Lasst es euch gut gehen und bis irgendwann.

Eure Judith

 

Werbeanzeigen

Endspurt

Hallo Zusammen,

ich lebe noch! In den letzten Wochen war es hauptsächlich Alltag, von dem ich euch erzählen könnte. Aber ich hab tatsächlich auch ein bisschen was anderes gemacht, als zur Arbeit zu gehen und in der Sonne zu sitzen. Braun bin ich trotzdem  noch nicht :P.

Als allererstes, damit ich es nicht vergesse, weil es an sich unwichtig ist, kann ich euch sagen, dass die Produkte von Mary Kay nicht so beeindruckend waren, wie die Katze. Davon hab ich jetzt auch ein Foto, ihr könnt dieses seltsame Tier also unten bewundern. Oder in Frage stellen, je nachdem.

Und jetzt zum angenehmen Teil des Berichts.

Am 21.06 war hier Mittsommerfest, Juhannus genannt. Praktischer Weise ein Feiertag und so bin ich in den Genuss eines langen Wochenendes gekommen. Wirklich herrlich! Man kann sich echt dran gewöhnen, nur 4 Tage die Woche zur Arbeit zu gehen. Zumal bei mir ja auch nicht so viel liegen bliebe. Zumindest nicht hier.
Juhannus wird mit einem Lagerfeuer und traditioneller Sauna gefeiert. Leider war es an dem Tag so unglaublich windig, dass die Feuer alle recht klein gehalten worden oder sogar ganz abgesagt worden sind. Dennoch war es wirklich schön! Wir, meine Mitbewohnerin Sanna und ich, sind zu einem Lagerfeuer in der Nähe des Schlosses gegangen. Genauer gesagt waren wir auch Riihisaari, einer kleinen Mini-Insel mit Bootmuseum drauf. Sie liegt quasi in der Nachbarschaft des Schlosses. Da sind auch einige schöne Bilder entstanden. Auch unten zu sehen.
Durch den Wind war das Feuer recht schnell runtergebrannt und weil uns kalt wurde, haben wir uns in eines der dortigen Restaurants verzogen und uns aufgewärmt. In diesem Fall mit heisser Schokolade und Mintschnaps. Das schmeckt wie After Eight. Ihr könnt euch also vorstellen, wie schnell das bei mir alle war! Wir haben noch eine ganze Weile dort gesessen und die Nacht gefeiert bevor wir dann ziemlich angeduselt wieder in der Wohnung angekommen sind. In jedem Fall hat es sich gelohnt!

Nach Juhannus kam dann am 30.06 der Junggesellinnenabschied meiner Cousine, die im August vor den Traualtar schreiten wird. Leider konnte ich nicht spontan in den Flieger springen um ihr einen Besuch abzustatten und so habe ich mir etwas anderes einfallen lassen.
Dabei kam ein Video mit verschiedenen Aufgaben und einer finnischen Flagge raus, die sie immer hochhalten sollte, wenn ein Foto gemacht wurde. Tja, aber wie es nun mal so ist, so einfach war das gar nicht.
Falls ihr jemals auf die Idee kommt, in Savonlinna eine finnische Flagge kaufen zu wollen, bringt Ausdauer mit! Ich habe unendlich viele Läden abgeklappert und war sogar in Bootshops und Baumärkten, bis ich dann endllich mal eine ordentliche Flagge zu einem annehmbaren Preis hatte! Ich hab fast 2 Wochen gesucht! Einen Touristenshop gibt es hier nämlich leider so gar nicht. Die Finnen sind stolz auf ihre Nation und ihre Herkunft, ebenso auf ihre Verbindung zur Natur. Aber das sie deswegen Flaggen aufhängen? Nix da. Die kommen tatsächlich öfter an Boote als an Fahnenmaste oder Hauswände.  Dementsprechend war es wirklich schwierig, etwas zu finden.
Nachdem ich dann endlich das Objekt der Begierde gefunden hatte, warf ich mich in Schale und drehte ein kleines Video, sendete es an die JGA-Gruppe und die Flagge mittels Express-Brief nach Deutschland. Aber es kam, wie es kommen musste, die Flagge kam ein paar Stunden zu spät an und deshalb gibt es jetzt nur Fotos ohne Flagge. Pannen, Pech und Pleiten sind bei sowas ja leider vorgesehen. Aber immerhin hat sie sich gefreut, als sie das Video gesehen hat! Und so war ich doch irgendwie mit dabei 😀

Nach dem Spektakel beschloss ich etwas zu machen, was ich schon seit Ewigkeiten vor mir her schiebe. Ich bin Kajak gefahren. Das allererste Mal in meinem Leben und es war irre windig. Und wunderschön!
Das Wetter war nahezu perfekt dazu und so habe ich Anne-Mari gefragt, ob sie mich begleiten möchte. Gefragt, getan und einige Stunden später haben wir in den schmalen Kajaks gesessen und sind losgepaddelt. Naja. Ich hatte so meine Probleme mit dem Lenken. Eigentlich ja ganz einfach. Immer auf der entgegengesetzten Seite, zu der man will, paddeln oder das Paddel starr ins Wasser halten. Theoretisch wirklich richtig einfach. Aber bis ich den Dreh raus hatte, hat es doch eine Weile gedauert. Danach bin ich dann stolz wie Oskar durch die Gegend gepaddelt und war noch stolzer auf mich, als ich dann nach 1,5 Stunden wieder trocken auf den Steg geklettert bin. Wir haben eine Tour vom Casino Hotel zum Schloss zu kleinen Inseln und wieder zum Hotel gemacht. Insgesamt vielleicht so 4 km, also nicht besonders lang. Aber wie gesagt, es war gut windig. Jedenfalls ist das meine Erklärung, warum ich so lange gebraucht habe.
Alles in allem eine wirklich tolle Erfahrung und ich werd es auf alle Fälle wieder machen. Vielleicht nicht mehr in Finnland, aber auf alle Fälle in Deutschland!

Was kam danach? Danach kam ein kleiner Wandertrip in den Ur-Wald von Punkaharju. Oder auch Mini-Lapland, wie mir gesagt wurde. Erneut hatte ich Anne-Mari an meiner Seite. Ebenso wie die Hunde Laku und Oolga und ihren Mann. Der egal bei welchem Wetter in schwarzen Jeans, Bikerboots, Bandshirt und schwarzer Jacke rumläuft. Ich wäre kaputt geschwitzt! Ihm ging es wohl nicht anders, aber anbehalten hat er die Sachen trotzdem.
Und so sind wir eine ganze Weile durch den Wald gewandert, haben Elchspuren entdeckt, sind auf Steine geklettert und haben Mini-Berge erklommen. Mini-Berge, weil sie aus Stein und sehr steil waren. Ich kam mir zwischendrin ein bisschen, wie ein Kletterer vor. Aber es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Der Ausblick auf dem höchsten Mini-Berg war wirklich schön. Auch, wenn sich die Sonne nicht direkt hat blicken lassen. Ich habe trotzdem eine Weile am Rand gesessen und einfach nur auf den kleinen See vor uns geblickt. Und Moskitos vertrieben… wirklich lästig diese Viecher! Und einfach immer da, wo man selber ist! In Deutschland haben sie mich ja hauptsächlich ignoriert. Aber hier? Keine Chance! Deshalb mussten wir auch viel zu schnell wieder aus dem Wald raus und nach Savonlinna fahren. Nebenbei bemerkt, beim Fahrstil von Anne-Maris Mann ist mir hinten im Auto echt schlecht geworden! Wirklich schlecht! Ich hab ne halbe Stunde gebraucht, bis mein Kreislauf sich wieder gefangen hatte und sich nicht mehr alles gedreht hat!
Leider fallen seitdem längere Wanderungen flach, weil meine Sehne nun wirklich überlastet ist. Ich laufe jetzt nur noch mit Tape oder Kniebandage rum. Die Bandage zumindest, wenn ich spazieren gehe.

Etwas, was wirklich typisch für diese Stadt ist, ist der Touristenschwall im Sommer. Zum einen gibt es in dieser Gegend einfach unglaublich viele Sommerhäuser und zum anderen gibt es das Opernfest hier. Ja, es gibt eine Oper hier. Und sie wird im Schloss vorgetragen. Jetzt ratet, was ich getan habe.
Ja, ich war in der Oper! Durch meine andere Mitbewohnerin bin ich an Freikarten gekommen und habe so das erste Mal in meinem Leben in einer Oper gesessen. Und vorher überlegt, was ich denn anziehen könnte. Tja, alle Überlegungen fielen sprichwörtlich und wahrhaftig ins Wasser. Es hat nämlich geregnet. Also beschränkte ich mich mehr auf praktische und warme Kleidung und war damit nicht allein. Ich habe im Saal sehr viele dicke Pullover und Wollsocken gesehen. Dabei hatte ich Anzüge und Absatzschuhe erwartet. Letztere habe ich auch einige Male gesehen. Aber unter Hosen, keinen Kleidern. Das war dann auch das Höchste der Gefühle.
Das Stück, welches ich besucht habe, war übrigens Faust. Und zu meinem Bedauern in französisch! Deshalb las ich einen Teil der Dialoge auf einer Anzeigetafel mit, entschied mich dann aber irgendwann dazu, dass man den Kontext auch ohne Text verstehen konnte und genoss dann einfach nur die Show. Wir haben in der fünften Reihe nach dem Orchestergraben direkt in der Mitte gesessen und somit hervorragende Plätze ergattert. Und dieses Gefühl, wenn der Chor singt und das Orchester spielt – ich kann’s nicht beschreiben! Es ist fantastisch! Gänsehaut und ganz viel Kribbeln auf dem Körper. Hätte ich gar nicht mal gedacht. Und das 3 Stunden lang. Natürlich mit einer kleinen Pause zwischendrin in denen sich die Frauen um die Toiletten gedrängt haben. Man könnte meinen, es würden alle an Blasenschwäche leiden, so sehr wie da gedrängelt wurde.
Aber abgesehen davon, war das Stück ein tolles Erlebnis für mich. Ich kann es wirklich nur empfehlen und sollte ich irgendwann mal Geld für Karten übrig haben, würde ich dieses Erlebnis gerne nochmal wiederholen.

Womit wir dann auch in der aktuellen Woche angekommen wären. Meine Wochenenden sind also allesamt eher ruhig verlaufen. Abgesehen von dem einen, an dem ich abends noch mit Liisa und Aleksi unterwegs war. Der war auch sehr amüsant! Kurzgefasst haben wir im Pub gesessen, getrunken und alle möglichen Theorien über jede mögliche Lebenslage diskutiert. Ach ja, und nebenbei noch beobachtet, wie 20 Männer hinter einem Ball herlaufen und 2 Männer versuchen, selben davon abzuhalten hinter sie zu rollen. Aber irgendwie war das nebensächlich. Aleksi war vorher noch mit Freunden auf einem Rummel  und hat Liisa und mir dann noch je ein Kuscheltier in die Hand gedrückt 😀 Sehr niedlich.

Gestern habe ich auf meinem Weg zur Arbeit dann aber auch noch etwas festgestellt. Die Brücke, über die ich jeden Tag fahre, ist beweglich. Und morgens um 6 fahren da ziemlich dick beladene Frachter durch. Und so stand ich da 10 Minuten, bis dieses Monstrum an Frachter durchgefahren und die Brücke sich wieder geschlossen hatte. Naja, eigentlich war es wohl ein ganz normaler Frachter. Aber ich fand das schon ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass ich von der Brücke auf das Dach hätte hüpfen können. Wirklich tief wäre das nicht gewesen. Andererseits konnte ich so den morgendlichen Ausblick auf das Schloss mal festhalten und es ist wirklich schön. Fast Postkarten gerecht.
Und ich habe gestern noch etwas geschafft, was ich lange aufgeschoben habe. Ich war im See schwimmen! Einmal um eine Insel und dann noch ein  bisschen planschen. Das reingehen hat ganz schön Überwindung gekostet, aber nach einer Weile und viel Bewegung war es dann tatsächlich angenehm. Als ich dann rausgeklettert bin, war ich ganz rot am Körper. War wohl doch kälter als ich angenommen hatte. Aber sowas soll ja gut für die Durchblutung und den Kreislauf sein. Jedenfalls kann ich jetzt auch sagen, dass ich offiziell meinen Wintermantel abgenommen habe. Naja, hab ich ja eigentlich im Mai schon, aber davon hab ich glaub ich keine Fotos. Und dieses Mal sogar mit Badeentchen!

Ansonsten war ich stark mit packen und vorbereiten beschäftigt. Ihr glaubt gar nicht, was sich in 5 Monaten alles so ansammelt. Ich habe 3 Kartons voll mit Klamotten und Zeugs. Und klein sind die auch nicht grade. Jetzt muss ich nur noch die Abholung und Versendung organisieren und dann geht’s quasi schon fast wieder auf den Weg Richtung Deutschland. Morgen wird mein letzter Tag auf der Arbeit sein und ich freue mich wirklich darauf. Vor allem aber freue ich mich auf die Reise 🙂

Ich hoffe, euch geht’s allen gut! Bis ganz bald,

eure Judith

Aber in Finnland wird es ja nicht heiss…

Hallihallo, da bin ich wieder. Die letzten Wochen gibt es wenig zu erzählen. Der Alltag macht sich breit und das fruehe Aufstehen fordert seinen Tribut.

Ich beginne morgens um 6 zu arbeiten und dank Gleitzeit ist das bei ANDRITZ auch kein Problem. So kann ich gehen, wenn meine Konzentration am Tiefpunkt angekommen ist und muss nicht in der Nachmittagshitze mit dem Rad nach Hause fahren. Selbst 4 km sind ohne Wind in der prallen Sonne schon zu lang. Ganz besonders dann, wenn einem die passende Ausruestung dafuer fehlt. In meinem Fall waren das meine Sommerklamotten auf dich ich, teilweise schon verzweifelt, gewartet habe. Denn ob ihr es glauben wollt oder nicht. Das Thermometer auf unserem Balkon in der Sonne hat 32 Grad Celsius angezeigt. Und ich hatte nur lange Hosen! Zum Glueck hatte ich meinen Bikini eingepackt und so hat meine Mitbewohnerin mich des Öfteren mal draussen im Bikini im Schatten sitzen sehen. Pralle Sonne geht ja nicht. Sonst bin ich krebsrot. Und ich glaube, die Farbe steht mir nicht so gut. Dafuer schmeckt das Eis dann um so besser!
Dann war ich noch Waffeln essen 🙂 Liisa betreibt mit einigen Anderen ein kleines Waffelhaus auf einer Insel hinter dem Casino Hotel. Dort waren Jenna und ich habe und haben uns einmal den Bauch voll geschlagen. Sieht gar nicht so viel aus, hat aber mächtig gestopft. Ich hab das mal versucht, selber zu machen. Geschmeckt hat’s, aber besonders ansehnlich war es nicht. Und der Ausblick von der Insel ist ja wohl auch mal phenomenal! Finde ich zumindest.

Die kleine Schuessel, die ihr unten seht, war mit Ananas gefuellt und von Jenna fuer mich. Sie war ein paar Tage verreist und hat mir was zum naschen da gelassen. Suess, oder? Ich hab mich mega gefreut!
Der Schneehaufen direkt neben dem Schuesselchen ist uebrigens noch nicht so lange weg. Bis ende Mai lag er da noch. Mittlerweile ist er aber auch geschmolzen. Trotzdem schon ziemlich uebel, im Mai noch Schnee zu haben. Wenn auch nur an einem schattigen Plätzchen im Wald.

Was habe ich sonst noch so gemacht? Tatsächlich gar nichts. Hauptsächlich bin ich spazieren gegangen und habe am Wasser gesessen. Vor ein paar Tagen kamen schlechte Neuigkeiten aus Deutschland und da ist mir dann endgueltig die Lust an Abenteuern vergangen. Jedenfalls erstmal.

Etwas habe ich noch gemacht. Ich habe meine Reise durch Finnland geplant! Es wird von Joensuu nach Rovaniemi ueber Tornio, Oulu  und Tampere zurueck nach Savonlinna gehen. Dort werde ich dann den Geburtstag von Jenna und das Stadtfest in Savonlinna feiern bevor ich mich dann abends in den Flieger setze und nach Deutschland zurueckfliege.
Auf meiner Reise begleiten mich zwei Freundinnen. Beide kommen extra aus Deutschland hergeflogen, weil sie neugierig sind oder sich in das Land verliebt haben. So werden wir gemeinsam die Städte erkunden können. Ich freu mich drauf!

Ach, ganz vergessen. Ich wollte euch ja von meinem Besuch bei Mary Kate berichten. Ich bin letzte Woche am Montagabend zusammen mit Jenna zum Beautystudio gelaufen. Erwartet hatten wir eine Behandlung mit den Produkten. Letzten Endes war es mehr eine Verkaufsvorstellung der Produkte mit ein bisschen ausprobieren. Nicht weniger schlecht, aber Jenna und ich waren erstmal ein kleines bisschen enttäuscht. Durch unseren Beauty Consultant Maria hat sich das aber ganz schnell wieder gelegt und auch die Produkte waren ueberzeugend. Diese Woche gibt es fuer andere Produkte nochmal einen Termin. Und wenn sie mir dann immer noch gefallen, kann ich sie zuhause ausprobieren. Auch nicht schlecht.
Highlight wird wohl aber die Katze gewesen sein, die lautstark im Nebenzimmer auf sich aufmerksam gemacht hat. Pippo, eine Rex-katze. Ich glaube zumindest, dass die Rasse so hiess. Ihr Fell war seidig & weich und die ganze Katze an sich war winzig! Ich hatte schon Angst, was kaputt zu machen, wenn ich sie in den Arm nehme. Aber entgegen meiner Erwartung war sie doch sehr robust und hat sich mit voller Wonne in meine Armkehle geschmissen. Jenna und ich waren uns aber einig, dass das wohl die seltsamste Katze war, die wir jemals gesehen haben. Ich versuche, sie passend zu beschreiben. Nehmt’s mir nicht uebel, wenn das nicht so klappen sollte.
Wie gesagt, war die Katze selber winzig. Ihr Fell war congac und schwarz gemusterst. Wirr durcheinander. Der Kopf war klein und fuer meine Verständnisse wirklich knochig. Hinderte sie aber nicht daran, ueberall dran zu reiben um Aufmerksamkeit zu bekommen. An sich hatte der Kopf eine ausgeprägte dreieckige Form. Grosse Augen, winzige Nase und Maul. Und ziemlich grosse Ohren im Vergleich zum Kopf. Sie hat mich ausserdem ein kleines bisschen an ein Hängebauchschwein erinnert. Ihre Beine waren sehr zartgliederig wohingegen ihr Bauch einfach riesig war. Sah aus, als hätte man ein kleines Bierfass in die Katze geschoben! Wirklich echt seltsam. Ich glaube, Jenna hat sogar ein Foto von der Katze gemacht. Vielleicht sogar ich selber. Ich muss mal suchen, dann zeig ich euch das.

Joa. Und ansonsten liege ich meistens im Zimmer rum, weil es einfach zu warm ist, sich zu bewegen. Dabei lese ich eine Menge. Erst in den Abendstunden, wenn der Wind geht, kann man wieder ein bisschen aktiver werden. Letzte Nacht ist das Wetter dann umgeschlagen. Die letzten Tage waren es schon nur noch 15 Grad und viel Wind, aber immer noch sehr sehr sonnig. Heute Nacht hat es dann die ganze Zeit gewittert und geregnet. Der Wind hat so laut um die Häuserecken gepustet, dass ich kurzzeitig Angst hatte, er könnte Fahrräder durch die Gegend transportieren. Ist zum Glueck aber nichts passiert.

Wie immer findet ihr jetzt ein paar Fotos zu meiner Erzählung. Lasst es euch gut gehen und bis bald 😉
Eure Judith

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Sonnenschein, Linnanneito und ein verspätetes Geburtstagsgeschenk

Hallo ihr Lieben,

schon wieder ist eine Woche vergangen und ich kann es gar nicht glauben, dass ich nur noch knapp 10 Wochen hier bin! Die Zeit fliegt, grade jetzt, wo das Wetter immer besser und wärmer wird. Ich muss mir so langsam tatsächlich Gedanken machen, wie und wann ich wieder nach Deutschland zurückfliege. Und vorher natürlich auch noch meinen Trip durch Finnland planen. Ich freu mich wahnsinnig darauf! Aber jetzt erstmal zu vergangener Woche.
Großartig etwas zu erzählen gibt es kaum. Am Montag war ich wieder beim rudern und habe das wunderschöne Wetter auf dem See genossen. Viel Sonnenschein, eine kühle Brise um die Nase und umgeben von Lachen und guter Laune. Ich hätte wahrscheinlich noch eine Weile weitermachen können, aber irgendwann war auch die Stadt Savonlinna mit dem Boot umschippert. Dann mussten wir alle wieder zurück an Land. Zu meinem Leidwesen hat sich mein Knie leider noch nicht wirklich dazu entschieden, sich normal zu verhalten und schmerzt bei größerer Belastung. Wie zum Beispiel rudern. Ich hab mir jetzt meine Sportbandage dafür zuschicken lassen und hoffe, dass sie bald ankommt. Und vor allem, dass sie hilft! Wenn nicht, muss ich mal nachfragen, ob die mich hier auch tapen können. Dann hab ich ne Weile Ruhe, denke ich.

Am Donnerstag gab es ein ordentliches Hitzegewitter und es kühlte sich merklich ab. Glücklicherweise, sonst wären wir wohl alle bei 25 Grad Sonnenschein in Savonlinna gelaufen. Dieses Spektakel nannte sich Linnanneito. Ein Sportevent, bei dem alle mitmachen können, die Lust und Laune haben und ein bisschen sportbegeistert sind. Zu Beginn dieser Veranstaltung gibt es eine gemeinsame Aufwärmzeit, in der getanzt und gedehnt wird. Ich hab mich ganz nach hinten verkrochen, gemeinsam mit den anderen vom Team SamiEDU. Dort haben wir zwar nicht alle Bewegungen exakt mitbekommen, aber wir hatten in jedem Fall jede Menge Spaß. Vielleicht auch grade wegen der fehlenden Tanzschritte. Danach gab es zwei Möglichkeiten: 5 oder 10 km konnten gehender oder laufender Weise zurückgelegt werden. Ich hab mich für gehen entschieden und war am Ende auch ganz glücklich darüber. Laufen war selten meine Stärke und an dem Abend wollte ich es auch nicht ausprobieren. Am Ende des Laufes gab es dann noch eine kleine Belohnungstüte von den Veranstaltern. Gefüllt war sie mit Kaffee, einem Proteinriegel, frischem Brot, jeder Menge Flyern und einer Flasche Wasser. Bei mir hatte sich aber noch etwas anderes versteckt. Nämlich ein Geschenkgutschein der Kosmetikmarke Mary Kay. Noch nie was davon gehört, aber ich hab nächste Woche Montag einen Termin dort und kann mich kostenlos nach Strich und Faden verwöhnen lassen. Ich bin sehr gespannt, wie das wird und werde euch berichten.

Am Wochenende gab es dann noch ein kleines großes Highlight. Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk ist eingetroffen und ich hab mich sehr darüber gefreut :). Zwar hab ich mich gewundert, warum es so spät ankommt, wurde aber vom Versender recht schnell darüber aufgeklärt, dass das bereits der zweite Versuch war, mir mein Geschenk zukommen zu lassen. Jetzt hab ich wieder ein bisschen mehr, was mich an Zuhause erinnert und so schön ich Finnland, das Leben und die Leute hier finde, ich freue mich doch auf Deutschland. Freue mich auf Freunde und Familie. Auf Abende am Lagerfeuer oder vor dem Fernseher mit Pizza auf dem Schoß. Ich freue mich auf spontane Treffen, pures Chaos und jede Menge Lachen. Denn nichts anderes erwarte ich, wenn ich wiederkomme.

Samstagabend war ich noch bei meiner ehemaligen Mitbewohnerin Liisa. Sie ist ausgezogen in ihre eigenen vier Wände und ohne sie ist die Wohnung so leer. Buchstäblich, denn ihr gehörte das meiste darin.
Gemeinsam mit zwei weiteren Freunden haben wir dann ihre neue Wohnung eingeweiht und sind noch feiern gegangen. Ein famoser Abend mit jeder Menge Lachen. Der fast beste Teil an diesem Abend war, dass Liisas Freund Aleksi die Schlüssel in der Wohnung liegen lassen hat, als wir drauSSen waren. Dann durfte er mal eben Affe spielen und über den Balkon in die Wohnung klettern, damit wir wieder reinkommen. Herrlich diese ganze Aktion! Und zum Glück liegt Liisas neue Wohnung im Erdgeschoss und nicht wie meine im dritten Stockwerk!
Diese Woche Samstag eröffnet Liisa ihr Café und dann  gibts Waffeln! Herrlich, ich freue mich schon drauf!

Für euch gilt wie immer das gleiche: Unten findet ihr ein paar Fotos, wenn auch nicht viele. Lasst es euch gut gehen und bis bald,

Eure Judith

Ein Wochenende in Helsinki

Hallihallo, da bin ich wieder! Dieses Mal gibt es ein bisschen was zu berichten und ich glaube, es könnte euch gefallen.

Auch in Finnland ist Himmelfahrt – hier Helatorstai genannt – ein Feiertag und ich durfte ein zweites, langes Wochenende hier genießen. Das Wetter wird immer besser und ich habe etwas  geschafft, von dem ich dachte, dass es hier nahezu unmöglich sei. Ich habe einen Sonnenbrand. Und was für einen! Aber eins nach dem anderen.

Am Freitag habe ich mich in den Bus nach Helsinki gesetzt und überlegt, was ich so anstellen könnte, in der Zeit, in der ich da bin. Immerhin reise ich alleine und müsste auf niemanden Ruecksicht nehmen und könnte tun & lassen, was ich wollte. Meine Mitbewohnerin Liisa hatte mir gesagt, dass das Nationalmuseum Finnlands jeden Freitag von 16 – 18 Uhr freien Eintritt hat und so bin ich direkt nach meiner Ankunft in Helsinki zum Museum gelaufen und habe mir dort eine Ausstellung über das prähistorische Finnland angeguckt. Es waren Waffen, Kleidungsstücke, Schmuck, Transportmittel und vieles mehr ausgestellt. Was ich aber besonders gut fand war, dass bestimmte Ausstellungsstücke angefasst werden durften! Und da ich ja ein Mensch bin, der generell dazu neigt, alles anzufassen und mit den Fingern zu gucken, war das optimal für mich.
Aber auch die digitale Welt wurde fließend mit eingebunden. Es gab eine Art Fernrohr, durch die man sehen konnte, wie die damals typische Umgebung ausgesehen hätte. Inklusive Mammut, Bär  und Elch. Ebenso wurden bei einem Ausstellungsteil auf Knopfdruck Geräusche der jeweiligen Tiere abgespielt, damit man sie zumindest mal gehört hat. Wirklich gut. Aber ich hab mich tatsächlich erschrocken, als direkt hinter mir ein Bär anfing zu brüllen! Darauf war ich nicht vorbereitet gewesen.
Nach fast zwei Stunden bei dieser Ausstellung bin ich nochmal ganz fix durch das restliche Museum gehuscht und habe mir nochmal einige finnische Herrscher angesehen. Zumindest einen Teil von ihnen, denn alles habe ich nicht mehr geschafft. Vielleicht auch besser so, da ich mir kaum noch etwas merken konnte. Beim nächsten Mal hab ich hoffentlich mehr Zeit!
Ach ja, zur Zeit hat das Museum auch eine Sonderausstellung zur Barbiepuppe. Falls also jemand daran interessiert ist, nichts wie hin da. Es soll ziemlich gut sein.

Danach habe ich mich auf den Weg zum Hostel begeben und eingecheckt. Beim Kennenlernen meiner Zimmernachbarn haben wir direkt beschlossen, uns gemeinsam einen schönen Abend zu machen und haben uns einer kleinen Hostelparty angeschlossen. Für mich endete der Abend dann damit, dass irgendjemand ein Fernsehprogramm angestellt hat, in dem Tiere geköpft worden sind. Da ich sowas weder sehen noch hören kann und anscheinend niemand die Fernbedienung gefunden hat, bin ich ziemlich schnell in meinem Bett verschwunden und hab mir Musik angehört. War auch ne gute Idee, denn einer meiner Zimmermitbewohner hat geschnarcht bis zum geht nicht mehr. Wir waren mit 24 Betten in einem Zimmer untergebracht, ich relativ weit vorne. Der Schnarcher lag ganz hinten in der Ecke und es hat sich angehört, als läge er direkt neben mir, so laut war es. Musste ich die Musik eben noch ein bisschen lauter stellen, damit ich schlafen konnte.

Am nächsten Morgen bin ich dann losgezogen und habe eine Guidingtour durch Helsinki gemacht und viele schöne, alte, herrschaftliche Gebäude gesehen. Die Bibliothek war eines davon, ebenso der Dom. Unglaublich schön und es strahlt eine Ruhe aus, die man im hektischen Alltag vermisst. Einfach wunderschön. Während der Tour habe ich noch meine Hostel-Freunde getroffen und wir hatten eine Menge Spaß während der Tour. Das Wetter war fantastisch! Mindestens 25°C purer Sonnenschein, kein Wölkchen trübt den Himmel. Und ich habe natürlich meine Sonnencreme nicht eingepackt. Glücklicherweise hatte jemand welche dabei, sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich einfach nur noch krebsrot.
Nach der Tour sind wir noch gemeinsam durch die Stadt gebummelt, haben Eis gegessen und uns auf einer Terasse gesetzt und den Sonnenschein genossen. Wirklich herrlich. Anschliessend sind wir, gemeinsam mit weiteren Hostel-Freunden, auf die Insel in der Nähe von Helsinki – Soumilinna – geschippert. Dort haben wir gepicknikt, Spiele gespielt und gelacht, bis die Sonne nahezu untergegangen ist. Danach sind wir zurück und haben uns direkt auf den Weg zum nächsten Pub gemacht und die Nacht dort und im Club verbracht. Als ich nachts um 4 endlich im Bett lag, war ich hundemüde aber auch unglaublich glücklich. Ich wollte gar nicht abreisen und so ging es den anderen auch.

Der Wecker 3 Stunden später hat das Ganze dann aber doch etwas anders gesehen und schmiss mich aus meinem Bett. Auf gehts, frühstücken, fertig machen, verabschieden und ab zum Kamppi in den Bus. Ein letztes Lächeln auf die Stadt werfen und die Erlebnisse verinnerlichen und dann zurücklehen und Schlaf nachholen.

Zurück in Savonlinna habe ich nur kurz meine Klamotten gewechselt und bin unter die Dusche gesprungen, danach sind Liisa und ich gemeinsam losgezogen und haben den Abend am Hafen ausklingen lassen. Und, nebenbei bemerkt, eine riiiiiesige Portion Döner Kebab gegessen. Ich war damit überfordert. Mein Magen kann Tetris, aber es hat einfach nichts mehr reingepasst!

Alles in allem hatte ich also ein wunderschönes und sehr witziges Wochenende 🙂 Ich hoffe, euch geht es ebenso! Wie immer findet ihr unten ein paar Bilder. Führt sie euch zu Gemüte und teilt mein Wochenende mit mir 😉

Alles Liebe,
eure Judith 🙂

 

Zugbrücken, Ruderboote und blaue Flecke

Heyho!

Die letzte Woche lief  nach dem langen Wochenende lief sehr ruhig. Am Mittwoch war mein erster Tag bei Andritz und ich war so aufgeregt, dass ich angefangen habe, zu häkeln! Fragt mich nicht, was mich da geritten hat, aber irgendwie musste ich die Energie loswerden und dabei noch produktiv sein. Irgendwo hatte ich gelesen, dass häkeln und Stricken bei Anspannungen helfen sollen… naja, eins kam zum anderen und jetzt hab ich zwei neue Topflappen und eine halbfertige Mütze.

Die Firma Andritz ist ein Tausendsassa. Diese Firma baut Maschinen für so viele verschiedene Branchen, das ist unglaublich. Ohne zu lügen sind es bestimmt über 25 verschiedene Branchen, in die sie liefern. Für mich ist das etwas völlig neues. Am ersten Tag haben sie mich auf dem Firmenkomplex herumgeführt. Ich hätte schwören können, dass ich mich verlaufe! Bislang hat es aber zum Glück gut geklappt. Der zweite Tag beschränkte sich auf eine Einführung in die Firmeneigene Cloud und das sich damit vertraut machen. Wobei ich der Meinung bin, dass man sowas immer erst lernt, wenn man wirklich damit arbeitet. Aber es ist schon mal  gut zu wissen, wo ich an welche Dokumente komme, wenn ich sie denn mal brauche. Joa, und dann kam etwas, was mir nicht so neu war. ScheiSSarbeit. Die Firma hatte vor einigen Monaten ihr Logo geändert und nun mussten natürlich einige der offiziellen Dokumente, allen voran aber die Qualitätshandbücher auf den neuen Stand gebracht werden. Tja, jetzt dürft ihr raten, was ich die letzten Tage gemacht habe. Richtig. Jede menge Copy and Paste. Bei weit über 200 Dokumenten. Man gut, dass es mich nur 2 Tage gekostet hat. Sonst wäre ich durchgedreht. Ich bin auf meine nächste Aufgabe gespannt. Denn es wurde behauptet, dass ich kein SAP Programm brauche. Was mich schon mal ein bisschen ärgert. Ich bin Industriekauffrau! Ich werd ja wohl mit so einer blöden Benutzeroverfläche klarkommen! Ich hab vielleicht keine Erfahrung damit, aber mal ganz ehrlich: So schwer kann’s ja wohl unmöglich sein. Auf finnisch vielleicht, aber diese Programme kann man auch wunderbar auf englisch stellen. Naja, abwarten und Tee trinken. In meinem Fall eher Milchkakao, den ich mir bei jeder Gelegenheit aus unserem Automaten ziehe. Wirklich gut, und sooooo viel besser als Kaffee. Zumindest, was den Geschmack angeht.

Themawechsel: Gestern war ich das allererste Mal in meinem Leben rudern! Richtig cool! Dadurch, dass die Sonne jetzt scheint, ist die frische Brise vom See wirklich angenehm um die Nase und die Bewegung tut gut. Wir waren mit 16 Leuten unterwegs und sind innerhalb einer Stunde einmal gemütlich um die Stadt Savonlinna gerudert. Wenn alle imRzthmus waren, ging es auch echt gut. Aber ich hab schnell festgestellt, dass ich oft diejenige bin, die rauskommt, weil ich so viel quatsche. Was ein Wunder, damit hätte jetzt auch niemand gerechnet! 😀 Mit Blasen an den Fingern auch keiner, was?

Um die Stadt umrunden zu können, müssen wir unter diversen Brücken hindurch und damit sind wir auch schon nächsten Thema. Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich auf einer Eisenbahnbrücke direkt neben den Gleisen. Natürlich ist das alles abgegrenzt mit Zäunen, aber der Weg ist nicht besonders breit. Vielleicht 90 cm, viel mehr kann es nicht sein. Jedenfalls war ich so fasziniert von der Aussicht von der Brücke (Sonnenschein, das Schloss, Wasser, der Park und haaaach, einfach wunderschön), dass ich nicht geguckt habe, wo ich langfahre. Ganz fataler Anfängerfehler! Mein Bremshebel am Lenkrad ist in die Maschen des Eisenzauns gekommen und dort steckengeblieben. Ergo, ich hab einen hohen Bogen über den Lenker auf die Bretter gemacht. Und in diesem Fall waren es zwar nicht die Bretter, die die Welt bedeuten, aber so viel Zasta wie ich drauf hatte, hätte das auch schief gehen können. Dann wäre ich eine Etage tiefer gelandet und hätte erstmal schwimmen dürfen. Glücklicherweise ist aber alles gut gegangen und ich konnte nach Hause fahren. Nachdem ich den Lenker gerichtet hatte. Das war am Freitag. Ich haben den Abend des selbigen und des folgenden Tages damit verbracht, meinen Körper dazu zu überreden, dass er jetzt auch wieder ganz normal funktionieren kann und ich nicht immer von der linken auf die rechte Seite wechseln muss, weil die linke voll mit blauen Flecken ist. Der an der Hüfte ist besonders schön. Er schillert in allen erdenklichen Farben und macht am allermeisten SpaSS. Aber zum Glück geht sowas ja auch irgendwann wieder vorbei!

Grade überlege ich, was ich an diesem Wochenende anstellen könnte. Durch Himmelfahrt habe ich ein langes Wochenende und überlege, wohin ich reisen könnte. Ideen?

Unten findet ihr wie immer ein paar Fotos.

Lasst es euch gut gehen & bis demnächst,

eure Judith 🙂

Ein Wochenende im Sommerhaus

Hallo zusammen.

Wie ihr merkt, komme ich nicht mehr ganz so regelmäßig zum Schreiben. Am Wochenende bin ich oft unterwegs oder habe, wenn ich ganz ehrlich bin, auch mal keine Lust zu schreiben sondern möchte lieber das schöne Wetter draußen genießen.

Also, drehen wir die Zeit ein kleines bisschen zurück zum Wochenende des ersten Mais. Dieses Wochenende hat für mich Abschied und Neuanfang bedeutet. Aber erstmal zum Anfang zurück. 

Ich bin mit meiner Kollegin und ihrer Familie in ihr Sommerhaus an den See Saima gefahren. Wir sind am Freitag angekommen und sind zwei Nächte geblieben. Tagsüber war ich drauSen an der frischen Luft und nachts habe ich unter dem Dach gelegen und durch die groSen Fenster den Sternenhimmel beobachten können. In solchen Momenten bin ich unglaublich glücklich, dass ich sowas erleben darf und andererseits möchte ich all das teilen und vermisse jemandem, dem ich all das zeigen kann. Ihr glaubt mir nicht, wie unglaublich schön es dort ist. Ich habe, egal in welchem Wald ich unterwegs war und wie tief drinnen ich war, erst sehr selten eine solche Ruhe erfahren dürfen. Alles um einen herum ist still, bis auf die Vögel, der Wind und das Wasser. Man hört keine Autos, keinen Lärm, atmet frische Luft und braucht vom Haus zum Wasser nicht mal 2 Minuten. Das war mein ganz persönlicher Traum, der dort in Erfüllung gegangen ist. Ein Traum und gleichzeitig ein Hauptgrund, warum ich unbedingt in den Norden wollte. Ich glaube nicht, dass ich im Süden diese Art der Abgeschiedenheit hätte genießen können. Es wird mit Sicherheit Orte geben, an denen das möglich ist, aber da will ich grade nicht hin. Mein Traum war dieses Sommerhaus. Aus Holz gebaut, innen rustikal und gemütlich eingerichtet und keinen grossartigen Luxus. Eine Sauna (das gehört hier zur Grundausstattung und zählt somit nicht als Luxus :P) und ein Kanu. Mehr brauchte ich nicht und mehr wollte ich nicht. Ich hätte den ganzen Tag einfach nur draußen im riesigen Garten sitzen können und den Tag vorbeigehenlassen können. Den ganzen Tag nichts tun und doch nichts lieber machen zu wollen. Ein seltenes Gefühl. Aber das Pflichtgefühl hatte mich doch schnell wieder und so habe ich geholfen den Garten von Blättern zu befreien, das Haus zu putzen und Essen vorzubereiten. Und abends haben wir uns in die Sauna gesetzt, uns dampfgaren lassen und sind in den See getaucht um uns abzukühlen. Und der See war immernoch mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Es fühlt sich doch schon seltsam an, wenn die Eisschicht am eigenen Körper bricht. Aber die Erfrischung macht es wieder wett. Am zweiten Abend haben wir uns statt in die Sauna in eine Art Whirlpool gesetzt. Quasi eine riiiiiesige Badewanne mit 43 Grad Wassertemperatur, also perfekt zum entspannen.

Nach meiner Rückkehr aus dem Sommerhaus ging es direkt weiter. Der erste Mai wird auch hier gefeiert. Es heißt Vappu. Auf dem Vappu gibt es ein Ritual. Von jedem Bereich der Universität wird ein Erstsemesterstudent ins Wasser vorm Schloss geworfen! Ziemlich witzig, denn das Wasser ist noch sehr kalt und schwammen sogar noch einzelne Eisschollen darauf! Ich war mit Liisa, Sanna und Topi dort und habe mir das Spektakel angeguckt. Und noch etwas: Alle Studenten und Schüler, die ihren Abschluss gemacht haben, tragen zu dem Anlass eine weiße Mütze. Ich fand das also gar nicht so hilfreich, als ich Jenna gesucht habe und Liisa meinte, dass sie diejenige mit der weißen Mütze wäre. Wir haben Jenna trotzdem getroffen und ihr & Jenni dabei geholfen, die Sektflasche zu entkorken.
Danach sind wir zu den Paderbornern und haben ordentlich vorgetrunken. Und mit der Zeit ist es immer witziger geworden und wir sind noch in durch Clubs von Savonlinna gezogen. Morgens um 4 oder 5 bin ich nach Hause gekommen. Die Paderborner Jungs waren so nett, mir den ganzen Abend über Getränke zu bestellen und vor die Nase zu setzen und so hatte ich den ganzen Abend über ein volles Getränk vor meiner Nase. Das kann man Dann natürlich auch schlecht ignorieren und so könnt ihr euch vorstellen, was ich den Abend getrunken habe! Es war viel. Seeeehr viel. So viel, dass ich am nächsten Tag den Kater schlechthin hatte und mir jede Bewegung gut überlegen musste. Ansonsten ist mir sofort schlecht geworden und ich musste meinen Magen erstmal wieder davon überzeugen, dass der Tetris kann und nichts raus muss. Trotz alledem war es eine sehr amüsante Nacht und ich habe viel gelacht. Aber ich glaube, so schnell trinke ich keinen Alkohol mehr. Jedenfalls nicht so viel.

Einen bzw zwei Wehrmutstropfen gibt es an dem Wochenende dann doch noch. Ich wollte die Insel gernezu Fuß erkunden. Wäre auch kein Problem gewesen, so groß ist sie nämlich nicht. Allerdings sind die Bären aus ihrem Winterschlaf aufgewacht. Und sie haben Junge. Und da ich mich und mein Talent mich in brenzlige Situationen zu bringen kenne, habe ich mich dazu entschieden, diese Erkundungstour lieber doch nicht zu machen. Ich kann weder so schnell laufen, noch so hoch klettern wie eine besorgte Bärenmama und bei meinem Glück stolpere ich bei meinem Fluchtversuch auch noch über meine eigenen Füße! Der zweite Wehrmutstropfen hieß Abschied. Ich musste mich von meiner Kollegin als solche verabschieden, weil ich zum 2.5 bei einer hier ansässigen Firma angefangen habe zu arbeiten. Wegen der Sommerferien hatten sie an der Schule nicht mehr genug zu tun und wollten mich anderweitig gut untergebracht wissen. Jetzt bin ich bei Andritz und warte darauf, etwas zu tun zu kriegen.

Für die Zeit an der Schule bin ich unglaublich dankbar! Ich habe viele, viele liebe und auSergewöhnliche Menschen kennenlernen dürfen in meiner Zeit dort und habe auch über mich selbst etwas gelernt. Das erste Mal, dass ich in einem Kollegium aufgenommen wurde, ohne das Gefühl zu haben, dass man mich verurteilt. Ich bin gut so, wie ich bin. Mit der großen Klappe, mit Ironie & Sarkasmus, mit lautem Lachen und mit allem, was ich bin. Ich bin genauso gut wie ich bin. Ob ihr das glaubt oder nicht, aber in Deutschland fiel mir das sehr schwer zu glauben. Das zweite ist, dass die eigene Organisation vielleicht für andere chaotisch aussieht, aber solange sie funktioniert niemand danach fragen wird geschweige denn, es dir vorschreiben wird, wie und wann du deine Aufgaben zu erledigen hast. Du bist frei in deinen Entscheidungen, natürlich in einem gewissen Rahmen. Aber selbst das ist ja teilweise schon ungewohnt. Weiterhin habe ich gelernt, dass es durchaus passieren kann, dass sich der Schulleiter beim Mittagessen neben dich setzt und genau dann anfängt dich auszuquetschen, wenn den Mund vollhast. Immer! Oh, und es werden alle geduzt. Ausnahmslos. Etwas sehr ungewohntes aber sehr, sehr angenehmes. Der Respekt geht nicht verloren. Im Gegenteil. Die gegenseitige Wertschätzung wird offen zur Schau getragen und ein so entspanntes Arbeitsleben kann ich mir in keiner deutschen Schule geschweige denn, in einem deutschen Industrieunternehmen vorstellen.

Also, SamiEDU, vielen Dank für all diese und noch weitere wunderbaren Erfahrungen!

Für euch gilt das gleiche wie sonst auch: Unten findet ihr ein paar Bilder zum Sommerhaus und meinem Wochenende dort. Genießt sie!

Alles Liebe,

eure Judith 🙂